Petra Kolmorgen mit einem ihrer Bilder
Petra Kolmorgen (Kunst_R_A_U_M Kaufungen) präsentiert eines ihrer Bilder. Fotos: Lothar Koch

Acht Mal freie Kunst

Ausstellungseröffnung im Ständehaus

Saxophonklänge eröffneten die Ausstellung Frauen.Bilder.Positionen. am 24. März im Kasseler Ständehaus: Musikalische Bilder der Ausstellung spielte Peter Eckhardt, Leiter des Kaufunger Ateliers, für alle und betonte, auch für all jene, die nicht dabei sein konnten. Anwesend waren viele Gäste: Kunstinteressierte, Angehörige und vor allem die Künstlerinnen und Künstler der acht verschiedenen Kunsträume und Ateliers der bdks-Baunataler Diakonie Kassel, deren Werke nun bis zum 19. April beim LWV zu sehen sind.

Etwas aufgeregt betraten die Kreativen das unbekannte Ständehaus und freuten sich dann sehr, als sie ihre Werke im Rahmen der Ausstellung sahen. „Ich bin begeistert“, sagte Frauke Freitag, als sie ihr Bild auf einer Staffelei direkt vorm Saal entdeckte. Sie sei auch etwas stolz, dass ihr Bild für die Plakate und den Ausstellungskatalog ausgewählt worden sei, fügte sie an und gab in Zweiergesprächen ein bisschen von den Umständen preis, in denen das Bild entstanden ist. Verkaufen allerdings will sie das Bild nicht, da musste sie am Sonntagmorgen einige der Gäste enttäuschen. Aber auch für Kunstwerke anderer Künstlerinnen und Künstler gab es Kaufinteressenten.

Ein Erfolg nicht nur für die Künstler, sondern auch für die Atelierleiterinnen und -leiter, die mit großem Engagement die Werke im Foyer ausgestellt und bestmöglich zur Geltung gebracht hatten. Es ist ihre erste gemeinsame Ausstellung, seit sich die acht Ateliers zum Netzwerk *Kunsträume 8+ zusammengeschlossen haben. Ihnen und den Künstlerinnen und Künstlern dankte LWV-Landesdirektorin Susanne Selbert herzlichen in ihrer wertschätzenden Begrüßung und gab ihrer Freude über die gelungene Werkschau Ausdruck: „Ich habe gerne die Schirmherrschaft für diese Ausstellung übernommen. Ein toller Titel, mit Themen, die immer wieder Teile meines Lebensweges waren und dazu auffordern, ins Gespräch zu kommen: Über Frauen im realen Leben und in der Kunst etwa. Oder über die Bilder, die wir von Frauen, von Behinderung und Kunst im Kopf haben.“

In die Ausstellung und einzelne Werke führte im Anschluss Mathias Sebode-Götze, künstlerischer Leiter des Ateliers im amos und der Malgruppe Emilius, ein. Beim anschließenden Rundgang durch die Ausstellung waren viele positive Stimmen zu hören – über die Vielfalt der Werke, das besondere Ambiente der Räumlichkeiten und wie gut beides miteinander harmoniere. Einige Besucher interessierten sich auch für den Entstehungsprozess der Bilder und Objekte. Sie wurden aus erster Hand informiert.

Was in einem der Ateliers so passiert und wie die Werke entstehen, haben wir erfahren, als wir einen Blick hinter die Kulissen werfen durften. Unsere freie Mitarbeiterin Elke Bockhorst besuchte die Werkstatt OASE in Baunatal und sprach mit Künstlerinnen und Atelierleiterin Petra Liebehenz – auch darüber, dass manche der Kreativen sogar schon auf der documenta ausgestellt haben.

Zum Beispiel Angelika Schwarz. Die leuchtenden farbintensiven Gemälde der 57-Jährigen Malerin waren in einem Raum auf dem Hübnerareal zu bewundern. Die acht Ateliers der Baunataler Diakonie Kassel (bdks) arbeiteten dabei eng mit dem internationalen KünstlerInnenkollektiv project art works zusammen. 

Seit dem documenta-Jahr sind in der Werkstatt OASE sehr viele neue Gemälde und Zeichnungen entstanden. Jede Woche treffen sich Angelika Schwarz und bis zu zehn andere Kreative, um sich auf Papier und Leinwand austoben. Oder auch zu basteln. Eine willkommene Abwechslung zum Alltag in der Werkstatt, in der die meisten aus der Gruppe hauptberuflich arbeiten. 

In der OASE „kann man sich von den Kollegen abreagieren“, sagt Sonja Dziurosz, 35, ein kleines Energiebündel. Bevor sie den Stift in die Hand nimmt, rennt sie ins Nachbarbüro und holt eines ihrer früheren Werke hervor. Es ist 60 mal 80 Zentimeter, Acryl auf Papier, sehr farbenfroh und expressiv. „Ohne Titel?“, frage ich. „Ohne Titel“. Sonja hält es glücklich hoch. Um Stolz und Wertschätzung geht es in den acht Kunstgruppen und Ateliers. „Das arbeitsbegleitende Angebot setzt Talente und Fähigkeiten frei“, erklärt bdks-Sprecherin Claudia Lieberknecht. Pro Jahr geht aus den Kunsträumen mindestens eine Ausstellung hervor. „Das ist ein Gegenpol zu der Abwertung, die sie als Menschen mit Behinderung in vielen Alltagssituationen erfahren“, betont Claudia Lieberknecht. 

In der OASE assistieren Atelierleiterin Petra Liebehenz und Inga Lowitzki den Künstlerinnen. Sie stellen den „Menütisch“ mit den Materialien und Farben zusammen, beraten, regen an, zeigen neuen Techniken und halten ein Tässchen Kaffee bereit. So kann sich regelmäßig eine kreativ-geschäftige Stimmung ausbreiten. Da wird gepinselt, gezeichnet, gerakelt und getupft.

Besonders freuen sie sich auf den Umzug der Kunstgruppe. Im Erdgeschoss, wo derzeit noch die Tagesförderstätte ist, wird die OASE voraussichtlich im Sommer eigene Räume erhalten. „Dann sind wir endlich barrierefrei zu erreichen“, betont Petra Liebehenz, die eigentlich Grafikerin ist, „und vielleicht können wir sogar einen Raum einrichten, in dem unsere Kreativen unter Einsatz des ganzen Körpers mit den Farben experimentieren können!“

Und im Herbst wird es zum 60. Jubiläum der bdks im Werkstatt-Gebäude eine weitere große Schau geben.

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