Gruppenfoto mit zwei Männern und drei Frauen.
Die Organisatorinnen und Organisatoren der Basisschulungen (Foto: LWV).

Wissen hilft gegen AIDS-Stigma

Basisschulungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LWV

Nach längerer – auch coronabedingter – Pause gab es jetzt wieder zwei gut besuchte und inhaltsstarke Schulungen der AIDS-Hilfe Hessen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LWV. Mit Barbara Passolt und Birgit Brockmann (beide AIDS-Hilfe Kassel) standen zwei erfahrene Expertinnen zur Verfügung, die zu den Themen Struktur und Arbeitsfelder der AIDS-Hilfen/Geschichte von HIV/AIDS, Leben mit HIV heute, geschlechtliche und sexuelle Vielfalt, Grundlagen der AIDS-Hilfe-Arbeit, Werte, Haltungen, Schlüsselgruppen, medizinische Grundlagen sowie Strategien im Umgang mit Diskriminierung und Stigmatisierung referierten.

Wechselnde Moderationstechniken, Einzel- und Gruppenarbeiten und nicht zuletzt eindrucksvolle Fallbeispiele riefen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des LWV ein Thema wieder ins Gedächtnis, welches seit einiger Zeit in der medialen Berichterstattung häufig nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Dabei gibt es zahlreiche neue Erkenntnisse, die auch jetzt bei den Schulungen mit großem Interesse aufgenommen und diskutiert wurden.

INZWISCHEN GUT BEHANDELBARE CHRONISCHE ERKRANKUNG

Wussten Sie beispielsweise, dass HIV/AIDS im Vergleich zu früheren Jahren inzwischen zu einer vergleichsweise gut behandelbaren chronischen Erkrankung geworden ist? Dass die Therapie in der Regel relativ einfach und nebenwirkungsarm ist und dass die Lebenserwartung nahezu normalisiert ist? Und dass – unter guter ärztlicher Therapie – Menschen mit HIV nicht mehr infektiös sind? Das alles soll keinesfalls die Erkrankung verharmlosen oder Sinn und Zweck von Schutz beim Geschlechtsverkehr in Frage stellen.  Aber vielleicht sind es gerade die fehlenden Kenntnisse über die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten und die positiven Prognosen, die dazu führen, dass Menschen mit HIV/AIDS sich immer noch tagtäglich mit Stigmatisierung und Diskriminierung konfrontiert sehen, so die Vermutung der Expertinnen und Experten.

Neben Barbara Passolt und Birgit Brockmann war die AIDS-Hilfe Hessen durch ihren Geschäftsführer Florian Beger und Nina Baghery vertreten. Organisiert wurden die Veranstaltungen, die im Ständehaus des LWV stattfanden, von LWV-Mitarbeiterin Petra Hirdes und Markus Schmidt, Fachbereichsleiter Teilhabe Mitte und Ansprechperson des LWV Hessen für die AIDS-Hilfe.

STATISTIK ZUM THEMA

Zahlen zu HIV/AIDS in Deutschland

  • In Deutschland lebten Ende 2021 rund 90.800 Menschen mit HIV.
  • 79.100 Menschen nahmen HIV-Medikamente.
  • Ungefähr 1.800 Menschen infizierten sich im Jahr 2021 neu.
  • 790 Menschen erhielten 2021 ihre Diagnose erst, nachdem sie bereits schwer erkrankt waren.
  • 8.600 Menschen mit HIV wissen nach Hochrechnungen nichts von ihrer Infektion.

Die 95-95-95-Ziele von UNAIDS. Dieses gemeinsame Programm der Vereinten Nationen zu HIV/AIDS ist ein Projekt, um die verschiedenen HIV/AIDS-Pandemie-Aktivitäten einzelner Länder im Kampf gegen AIDS zu koordinieren. Das Programm gibt als Ziele aus:

  • 95% diagnostizierte HIV-Infektionen
  • 95% der diagnostizierten Personen erhalten HIV-Medikamente.
  • 95% der mit Medikamenten behandelten Personen haben keine nachweisbare HIV-Infektion mehr.

In Deutschland sieht die Zielerreichung aktuell wie folgt aus:

  • 90 % der HIV-Infektionen sind diagnostiziert.
  • 96 % der diagnostizierten Personen erhalten HIV-Medikamente.
  • 96 % der mit Medikamenten behandelten Personen haben keine nachweisbare HIV-Infektion mehr.

Quelle: Robert-Koch-Institut

HINTERGRUND

Schon seit vielen Jahren pflegen die AIDS-Hilfe Hessen und der LWV Hessen einen Austausch. In Jahresgesprächen und auf gemeinsamen Fachtagungen begegnen sich Mitarbeitende beider Institutionen und tauschen sich über aktuelle Fragestellungen und Entwicklungen aus. Aufgrund von Corona waren die Treffen in größerer Runde in den letzten Jahren jedoch nur bedingt möglich und das seit längerem geplante Vorhaben, eine Schulung für Mitarbeitende des LWV Hessen durch die Deutsche AIDS-Hilfe durchführen zu lassen, musste ruhen. Da die Deutsche Aids-Hilfe der Nachfrage nach Schulungen inzwischen nicht mehr umfassend nachkommen kann, ist jetzt die AIDS-Hilfe Hessen eingesprungen und hat sich unbürokratisch und sehr zeitnah bereiterklärt, Basisschulungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LWV Hessen durchzuführen. Schon jetzt haben die Vertreterinnen und Vertreter der AIDS-Hilfe in Aussicht gestellt, bei Bedarf noch weitere Schulungsveranstaltungen beim LWV anzubieten.

Ergänzende Bildunterschrift Foto oben (von links nach rechts): Florian Beger, Birgit Brockmann, Barbara Passolt, Nina Baghery (alle AIDS-Hilfe), Markus Schmidt, Fachbereichsleiter LWV Hessen.

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